Ergebnisse der Arbeitsgruppen

  • Welche Rolle spielen Hochschulräte bei der Bewertung und strategischen Einordnung sicherheitsrelevanter Forschung?
  • Welche strategischen Fragen stellen Sie in Ihrem Hochschulrat, wenn neue sicherheitsrelevante Projekte, Kooperationen oder Forschungsfelder entstehen?
  • Welche konkreten Handlungsbedarfe ergeben sich aus den heutigen Impulsen für die Arbeit von Hochschulräten?
  • Wie können Hochschulräte institutionelle Resilienz fördern?
Ulrich Müller (Foto: Peter Himsel)

Die Kleingruppen wurden moderiert von Volker Meyer-Guckel, Andrea Frank, Prof. Dr. Frank Ziegele und Ulrich Müller. Die wesentlichen Ergebnisse des Peer-Austauschs hat Ulrich Müller (CHE Centrum für Hochschulentwicklung) zusammengefasst.  
 

Foto: Peter Himsel

Die Arbeitsgruppen identifizierten folgende konkreten Lessons Learned und Good Practices:

Welche Rolle/Aufgabe hat der Hochschulrat
zum Thema sicherheitsrelevante Forschung/
institutionelle Resilienz?

Der Hochschulrat hat primär die Funktion, als Partner für strategische Überlegungen der Hochschule zu fungieren. Diese Rolle drückt sich in konstruktiv-kritischer Beratung und Begleitung aus.

In manchen Fällen kann es auch nötig sein, als Thementreiber das Problemfeld bewusst zu machen, also das Thema "Sicherheit" erst einmal auf die Tagesordnung zu setzen und eine entsprechende Diskussion einzufordern.

Als Impulsgeber kann ein Hochschulrat wirken, indem er zum Beispiel Foresight-Prozesse anstößt, Risikoberichte bzw. ein Risikomanagement-System einfordert oder dafür eintritt, Strukturen für ein strategisches Gesamtbild zu schaffen. Gleichzeitig ist der Hochschulrat ein Akteur, der für handhabbare Lösungen eintritt und sich gegen überbordende Bürokratie einsetzt. In Einzelfällen kann der Hochschulrat auch Schwingungen aus der Hochschule aufnehmen und einspeisen sowie einen Beitrag zum narrativen Framing leisten.

Eine realistische Rollenwahrnehmung des Hochschulrats ist entscheidend: Wie bei vielen anderen Themen geht es auch hier im Wesentlichen darum, die richtigen Fragen zu stellen. Ein Hochschulrat sollte der Hochschulleitung nicht reinregieren, sondern Debatten anstoßen und bereichern, aber keine fertigen Antworten liefern. Andererseits hat ein Hochschulrat auch die Unabhängigkeit, bei Bedarf Unangenehmes auszusprechen.

Der Hochschulrat fungiert auch beim Thema "Sicherheit" als Anwalt der Strategieorientierung. Er sollte eine strategische Gestaltung einfordern und Entwürfe und Überlegungen der Hochschulleitung nicht unkritisch durchwinken und abnicken. Im Idealfall ergibt sich aus konstruktiv-kritischer Begleitung durch den Hochschulrat eine erhöhte Qualität und verstärkte Legitimation des Ergebnisses.

 

Welche strategischen Fragen sollte der Hochschulrat stellen?

Mögliche Fragestellungen könnten folgende sein:

  • Existiert bereits eine hochschulinterne Bestandsaufnahme sicherheitsrelevanter Forschung / von Sicherheitsfragen besonders betroffener Bereiche?
  • Welchen Fokus haben die aktuellen Drittmittelprojekte?
  • Welche Leitbilder/Guidelines geben aktuell sicherheitsrelevanter Forschung Orientierung? Welche Zielbilder in Bezug auf Resilienz und Sicherheit (breit verstanden) existieren?
  • Existieren bereits eingespielte Verfahren bzw. ethische Leitlinien bei Entscheidungen über sicherheitsrelevante Projekte?
  • Wie wird Resilienz bei Krisen und Anschlägen gewährleistet? Ist die Hochschule auf relevante Krisen vorbereitet?  Existieren bereits feste Abläufe und Leitlinien für Krisensituationen? Sind Kommunikationsstrategien für den Umgang mit Shitstorms entwickelt worden?
  • Wie werden sicherheitsrelevante Fragen mit der Studierendenschaft diskutiert?
  • "Liefert" die Hochschule aktuell die Absolventinnen und Absolventen, die der Arbeitsmarkt benötigt?
  • Wird das Thema "Sicherheit" in Koppelung mit anderen relevanten Entwicklungen (zum Beispiel Entwicklung der Studierendenzahlen und der Hochschulfinanzierung) gesehen und reflektiert?

 

Welche Good Practices zeichnen sich ab oder gibt es bereits?

Hochschulräte berichten, es habe sich an ihrer Hochschule bewährt, ...

  • als Hochschule profilbezogen zu agieren.
  • als Hochschule Trendmonitoring und Strategic Foresight zu betreiben und die Folgen absehbarer Entwicklungen für das Portfolio fundiert zu reflektieren.
  • die Berichte der Hochschulleitung, um Fragen der Gefährdung der Wissenschaftsfreiheit zu erweitern und das Thema "IT-Sicherheit" im Risikobericht als festes Thema aufzunehmen.
  • als Hochschulrat in der Rolle eines Sparringspartners auch zwischen den Sitzungen bereitzustehen, falls von der Hochschulleitung gewünscht.
  • als Hochschulrat intern in den Diskurs zu geben, externem Erwartungsdruck, wenn nötig auch zu widerstehen und der Hochschulleitung bei Bedarf den Rücken zu stärken.
  • die Relevanz eines normativen Framings von Entscheidungen nicht zu unterschätzen.

 

Welche Probleme sind ungelöst, welche Fragen sind noch offen?

Hochschulräte berichten, folgende Aspekte seien bei ihnen noch ungeklärt:

  • Besteht zur Zivilklausel Konsens in der Hochschule?
  • Wo bestehen Möglichkeiten zur hochschulübergreifenden Kooperation (etwa: Infrastruktur oder Servicestrukturen im Verbund)?
  • Wo soll der Hochschulrat eher am Rand begleiten, wo eine aktive Rolle einnehmen (etwa als Bindeglied zwischen Senat, Hochschulleitung und Ministerium)?
  • Welche Rolle spielen die Geisteswissenschaften beim Thema "Sicherheit"?
  • Wo muss der individuelle Druck auf Forschende und Akteure des Hochschulmanagements in den Blick genommen werden?
  • Besteht teilweise ein Mismatch zwischen dem Bedarf der Industrie und dem Mindset von Forschenden an Hochschulen?