Forum Hochschulräte:
Hochschulen zwischen Innovation und Verantwortung
Globale Umbrüche, technologische Abhängigkeiten und hybride Bedrohungen verändern das Verständnis von Sicherheit grundlegend. Sicherheitsrelevante Forschung entwickelt sich dabei zu einem zentralen Zukunftsfeld, das technologische Innovation, gesellschaftliche Verantwortung und politische Rahmenbedingungen miteinander verbindet. Sie reicht von Cyber- und Datensicherheit über kritische Infrastrukturen, Verteidigung bis hin zu Fragen der gesellschaftlichen und institutionellen Resilienz. Hochschulen spielen in diesem Feld eine Schlüsselrolle: als Orte interdisziplinärer Forschung, als Partner in nationalen und internationalen Verbünden und als Akteure, die neue Formen verantwortungsvoller Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Staat gestalten.
Die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen betreffen Hochschulen nicht nur in einzelnen Forschungsprojekten, sondern zunehmend in ihren organisatorischen, rechtlichen und strategischen Grundlagen. Institutionelle Resilienz, Risikomanagement und strategische Prioritätensetzung werden damit zu zentralen Governance-Aufgaben. Der Nachmittag richtet den Blick auf konkrete Praxisfragen: Wie können Hochschulen handlungsfähig bleiben – und wie können Hochschulräte diese Prozesse wirksam begleiten und steuern?
25. März 2026
10:30 bis 17:00 Uhr
Quadriga Forum
Werderscher Markt 13
10117 Berlin
Die Veranstaltung richtet sich an alle
aktiven Mitglieder von Hochschulräten.
Die Teilnahme ist kostenfrei.
10:30 Uhr
Begrüßung
Prof. Dr. Nikolaus Risch, Vorstand der Heinz Nixdorf Stiftung und Vorsitzender des Hochschulrats der Universität Siegen
10:35 Uhr
Begriffsklärung und interaktives Warm-Up
Leitfragen: Was verstehen wir unter sicherheitsrelevanter Forschung und welche Rolle spielt sie an Ihrer Hochschule, welche Debatten führen Sie aktuell zu dem Thema?
TEIL 1: PERSPEKTIVEN STRATEGISCHER SICHERHEIT
Moderation am Vormittag: Dr. Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes
10:45 Uhr
Impuls I: Sicherheitsrelevante Forschung als Strategiefrage für Hochschulen – Befunde aus dem Hochschul-Barometer 2025
Maik Gebert, Referent Forschung und Innovationspolitik im Stifterverband
Abstract: Sicherheitsrelevante Forschung ist kein einheitliches Feld und kein neues Thema – neu ist jedoch, dass sie zunehmend zur strategischen Querschnittsfrage für Hochschulen wird. Vor dem Hintergrund geopolitischer Umbrüche und wachsender gesellschaftlicher Erwartungen stellt sich nicht mehr nur die Frage, ob Hochschulen sich in sicherheitsrelevanter Forschung engagieren, sondern inwiefern. Welche Herausforderungen, welche Potenziale ergeben sich daraus?
Leitfragen: Wie bewerten Hochschulen in Deutschland sicherheitsrelevante Forschung und welche Implikationen ergeben sich daraus? Welche Missverständnisse zeigen sich im Diskurs über sicherheitsrelevante Forschung?
Impuls II: Perspektiven für die strategische Entwicklung unserer Hochschulen
Prof. Dr. Jakob Edler, Geschäftsführender Institutsleiter, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe
Abstract: Sicherheitsrelevante Forschung erhält eine neue strategische Bedeutung. Der Impuls beleuchtet, was an sicherheitsrelevanter Forschung heute tatsächlich "neu" ist – und wie sich diese Veränderungen je nach Hochschultyp und -profil unterschiedlich auswirken. Im Zentrum steht die Frage, wie Hochschulen ihre spezifischen Stärken mit gesellschaftlichen Bedarfen koppeln können, ohne wissenschaftliche Offenheit, Autonomie und Verantwortung aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Leitfragen: Welche unterschiedlichen Formen sicherheitsrelevanter Forschung ergeben sich aus verschiedenen Hochschultypen und Profilen – und wo liegen jeweils Chancen, Grenzen und Risiken? Welche strategischen Fragen sollten Hochschulräte stellen, wenn Hochschulen Aktivitäten im Bereich der Sicherheitsforschung ausbauen - oder auch bewusst darauf verzichten?
11:15 Uhr
Rückfragen und Diskussion
11:30 Uhr
Peer-Austausch in Kleingruppen
Welche Rolle spielen Hochschulräte bei der Bewertung und strategischen Einordnung solcher Forschung? Welche strategischen Fragen stellen Sie in Ihrem Hochschulrat, wenn neue sicherheitsrelevante Projekte, Kooperationen oder Forschungsfelder entstehen?
12:30 Uhr
Mittagspause
TEIL 2: VON DER THEORIE ZUR PRAXIS
Moderation am Nachmittag. Ulrich Müller, Mitglied der Geschäftsleitung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, stellvertretender Vorsitzender des Hochschulrats der TH Ewersbach
13:30 Uhr
Praxis Case I: Zivilklauseln im Wandel – Sicherheitsforschung als Herausforderung für Governance und Hochschulräte
Prof. Dr. Friedrich Lohmann, Professor für Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Angewandte Ethik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr München
Abstract: Zivilklauseln prägen seit den 1980er Jahren die Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von Hochschulen in Deutschland. Ursprünglich aus der Friedensbewegung hervorgegangen, zielten sie darauf ab, militärische Forschung an Hochschulen auszuschließen. Angesichts veränderter sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen und der wachsenden Relevanz sicherheitsrelevanter Forschung an Hochschulen gerät dieses Konzept jedoch zunehmend unter Druck. Der Vortrag zeichnet die Entwicklung von Zivilklauseln von ihren Ursprüngen in der alten Bundesrepublik bis zu aktuellen Debatten nach und diskutiert, ob das klassische Modell der Zivilklausel noch ein geeigneter Orientierungsrahmen ist. Dabei wird auch beleuchtet, ob stärker auf Friedensförderung ausgerichtete Ansätze, etwa in Form von Friedensklauseln, eine zeitgemäßere Perspektive bieten könnten. Daraus ergeben sich neue Fragen für Governance-Strukturen an Hochschulen und insbesondere für Hochschulräte im Umgang mit Sicherheitsforschung.
Mögliche Leitfragen: Wie lässt sich ein transparenter und beteiligungsorientierter Umgang mit Zivilklauseln hochschulintern gestalten und welche Rolle haben die verschiedenen Gruppen (Hochschulräte, Forschende, Lehrende, Lernende) dabei? Welche Rolle haben Hochschulräte bei der Bewertung, Weiterentwicklung oder Interpretation von Zivilklauseln im Rahmen strategischer Hochschulentwicklung?
14:00 Uhr
Praxis Case II: Resiliente Hochschulen steuern – Risikomanagement, Infrastruktur und Governance
Prof. Dr. Birgitt Riegraf, Universität Paderborn, Hochschulratsvorsitzende
Abstract: Digitale und physische Verwundbarkeiten, steigende Anforderungen an IT-, Daten- und Cybersicherheit sowie neue regulatorische Vorgaben stellen Hochschulen vor wachsende Governance-Herausforderungen. Resilienz wird damit zu einem strategischen Erfolgsfaktor institutioneller Handlungsfähigkeit. Der Praxis Case richtet den Blick auf Risikomanagement und Governance: Welche Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten benötigen Hochschulen, um Krisen vorzubeugen und handlungsfähig zu bleiben? Und wie können Hochschulräte dazu beitragen, Resilienz, Compliance und langfristige Entwicklungsfähigkeit systematisch zu stärken?
Mögliche Leitfragen: Wie können Hochschulräte dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und institutionell abzusichern? Welche strategische Verantwortung tragen Hochschulräte, um Resilienz, Compliance und langfristige Entwicklungsfähigkeit zu sicher?
14:30 Uhr
Rückfragen und Diskussion
14:55 Uhr
Kaffeepause
15:15 Uhr
Peer-Austausch und Diskussion
Welche konkreten Handlungsbedarfe ergeben sich aus den heutigen Impulsen für die Arbeit von Hochschulräten? Wo stoßen bestehende Strukturen, Prozesse oder Rollenverständnisse an ihre Grenzen? Wie können Hochschulräte institutionelle Resilienz fördern — in Organisation, Infrastruktur und Forschungsstrategie? Wo sind Hürden, wo Chancen?
16:15 Uhr
Interaktive Abschlussrunde & Take-Aways
Ulrich Müller, Mitglied der Geschäftsleitung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, stellvertretender Vorsitzender des Hochschulrats der TH Ewersbach
Welche konkreten Maßnahmen oder Strategien kann ich als Hochschulrat aus den heutigen Impulsen für meine eigene Hochschule ableiten? Welche Erkenntnisse waren am wichtigsten für meine Arbeit?
17:00 Uhr
Ende der Veranstaltung
Ansprechpartnerin für organisatorische Fragen:
ist Assistentin der Leitung der Abteilung "Programm und Förderung" im Stifterverband.
T 030 322982-376